Deutschland unterschied zwischen gymnasium und realschule

Soll mein Kind auf das Gymnasium oder die Realschule gehen? Dieser Frage sehen sich viele Eltern gegenüber, sobald die Grundschulzeit endet.

Es handelt sich um eine Entscheidung, die die kommenden Jahre Deines Kindes wesentlich prägen wird. Daher ist es sehr verständlich, dass Du einen gewissen Druck und auch Unsicherheit fühlst.

In diesem Artikel zeigen wir Dir, was für die Realschule spricht und welche Wege Deinem Nachwuchs damit offenstehen.

Deutschland unterschied zwischen gymnasium und realschule
Gymnasium oder Realschule? Copyright: Chinnapong bigstockphoto

  • der seelische Druck der Gymnasialbildung auf Kinder darf nicht unterschätzt werden
  • in der Realschule gibt es deutlich weniger Schulabbrüche
  • die Balance aus Lernen und Freizeit ist in der Realschule besser
  • nach der Mittleren Reife können Fachabitur oder Abitur angehängt werden
  • in einigen Bundesländern bestimmen die Grundschulen, welche weiterführende Schulform gewählt wird

Gymnasium oder Realschule: Wer hat die Entscheidungsgewalt?

Bevor es darum geht, die Vorzüge der Realschule zu erläutern, steht natürlich die Frage im Raum, wer über den Schulwechsel eines Kindes entscheidet. Da in Deutschland das Schulsystem noch immer Ländersache ist, kommt es darauf an, in welchem Bundesland die Grundschule besucht wird.

Prinzipiell wird am Ende der 4. Klasse stets eine Empfehlung ausgesprochen. Diese ist in den meisten Bundesländern aber nicht verpflichtend.

Das bedeutet, dass Du Dich als Elternteil darüber hinwegsetzen kannst. Trotz Realschulempfehlung kann Dein Nachwuchs also auf ein Gymnasium gehen oder umgekehrt Dein Kind trotz Gymnasialempfehlung die Realschule besuchen. In manchen Bundesländern kann auch Probeunterricht genommen werden, um die bessere Entscheidung abschätzen zu können. Bayern setzt sogar kleine Aufnahmeprüfungen an, um die Eignung zu kontrollieren.

Es gibt sechs Bundesländer, in denen die Grundschulempfehlung allerdings tatsächlich verpflichtend ist:

  1.  Bremen
  2.  Bayern
  3.  Sachsen
  4.  Brandenburg
  5.  Thüringen
  6.  Baden-Württemberg (seit 2018)

Das Mitspracherecht der Eltern wird hier hinter die Entscheidung der Schulen gestellt. Seit 2018 wird auch vermehrt in anderen Bundesländern wieder darüber diskutiert, die verbindliche Grundschulempfehlung einzusetzen.

Fakt 1 – Weniger Abbrüche auf der Realschule

Es ist leider eine Tatsache, dass es auf dem Gymnasium viel häufiger zu Schulabbrüchen kommt. Der deutlich höhere Leistungsdruck ist nicht für jedes Kind gut zu ertragen und wer dem Unterricht für einige Zeit nicht folgen kann, verliert sehr schnell den Anschluss. Das führt zu den ersten schlechten Noten und diese wiederum lassen die Motivation eines Kindes weiter sinken. So entsteht ein Teufelskreis aus Unlust, schlechten Noten und Angst. Eine abgebrochene Gymnasialzeit sieht später auf keiner Bewerbung gut aus, während durchgängig konstante Leistungen auf der Realschule besser bei der künftigen Ausbildungsstelle ankommen.

Fakt 2 – Das Unterrichtsklima ist oft besser

Während auf dem Gymnasium der Leistungsdruck auch ein raueres Unterrichtklima schafft, kann auf der Realschule deutlich mehr Zeit in einen angstfreien Unterricht investiert werden. Lehrkräfte können besser dafür sorgen, dass alle Schülerinnen und Schüler den Unterrichtsstoff wirklich verstehen. Wer motiviert ist, zu lernen, hat hier gute Chancen auf überdurchschnittliche Noten.

Fakt 3 – Nach der Realschule kann das Abitur noch immer absolviert werden

Eltern, die sich nicht darüber freuen können, dass ihr Kind auf eine Realschule gehen soll, sehen diese Schulform häufig als eine Art endgültiges Urteil. Sie glauben, dass ihrem Kind damit die Chance auf Abitur und Studium verloren geht. Doch es spricht nicht das Geringste dagegen, nach einer guten Mittleren Reife das Abitur anzuhängen. Bei ausreichendem Notenschnitt (3,5) kann eine Fachoberschule besucht und Fachabitur oder Abitur erworben werden.

Es muss natürlich der fehlende Unterrichtsstoff nachgeholt werden, doch nach dem Abschluss der Realschule sind Kinder auch bereits reifer, um frei zu entscheiden, ob sie diesen Weg einschlagen möchten. Ein Kind in der 4. Klasse kann überhaupt nicht einschätzen, ob Gymnasium oder Realschule besser für den eigenen Lebensplan ist.

Fakt 4 – Auch ohne (Fach-)Abi bleibt ein Studium möglich

Mit der Mittleren Reife bleibt selbst dann noch der Weg bis zum Studium offen, wenn Dein Kind kein (Fach-)Abi hinten anhängt. Entscheidet es sich direkt für eine Lehre und absolviert diese erfolgreich mit der Gesellenprüfung, kann es als Erwachsener den Weg zum Meister einschlagen. Wer in seinem Fachbereich einen Meisterbrief hat, kann damit ein fachspezifisches Studium beginnen.

Fakt 5 – In der Realschule gibt es viele Entfaltungsmöglichkeiten

Auf dem Gymnasium ist es meist die Norm, dass die Kinder bis zur 8. Klasse den gleichen Unterricht erhalten. Meist wird danach zwischen einem sprachlichen und einem wissenschaftlichen Profil unterschieden und entweder mehr auf Mathe, Physik, Chemie und Informatik gesetzt, oder mehrere Fremdsprachen erlernt. Wer einen wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Schwerpunkt setzen möchte, muss entsprechende Gymnasien (WSG) in der Umgebung suchen. Auch Musische Gymnasien sind eigenständige Schulen. Auf der Realschule ist das einfacher. Die Kinder wählen bereits ab der 7. Klasse eine Ausbildungsrichtung mit:

  •  sprachlichem Schwerpunkt
  •  mathematisch-naturwissenschaftlichem und technischem Schwerpunkt
  •  wirtschaftlichem Schwerpunkt
  •  sozialem Schwerpunkt
  •  musisch-gestaltendem Schwerpunkt
  •  hauswirtschaftlichem Schwerpunkt

Fakt 6 – Mehr Zeit für AGs und Gantagesangebote

Die Frage nach Gymnasium oder Realschule stellt sich auch, wenn man auf die vertiefende Förderung blickt. Aufgrund des hohen Lernpensums im Gymnasium bleibt weniger Raum für AGs nach dem eigentlichen Unterricht. Genau in solchen Arbeitsgemeinschaften können die Kinder aber weiter gefördert werden und beispielsweise in Sport-AGs faires Teamwork lernen. Viele Realschulen bieten selbst und in Kooperation mit gemeinnützigen Vereinen ein breites Angebot von Theater über Kampfsport bis hin zu Tierbetreuung an.

Fakt 7 – Die Freizeit des Kindes bleibt erhalten

Ebenso wie es mehr Zeit für AGs gibt, entsteht auch deutlich mehr Raum für andere Freizeitgestaltung. Du kannst gemeinsam mit Deinem Kind zum Beispiel unter der Woche ein Eis essen, denn die Hausaufgaben sind schneller gemacht, die Vokabeln bereits gelernt und große Angst vor dem nächsten Test steht auch nicht im Raum. Die gesunde Mischung aus Freizeit und Bildung führt zu einem anderen Lernen, was sich wiederum positiv auf die Bildung auswirkt.

Fakt 8 – Die Abschlussprüfung ist entspannter

Für Schüler auf dem Gymnasium beginnt mit der Zeit der Abi-Prüfungen ein enormer Stress. Manche entwickeln dabei sogar Schlafstörungen, Essen zu viel oder zu wenig und sehen ihre gesamte Zukunft in Gefahr, wenn die Prüfungen nicht das gewünschte Ergebnis bringen. Die Abschlussprüfungen auf der Realschule sind zwar auch mit einer Vorbereitungszeit verbunden, doch die Jugendlichen stehen unter deutlich geringerem Druck. Die Lehrkräfte konnten die motivierten Schülerinnen und Schüler gut vorbereiten und viele bestehen daher mit guten Noten ihren Abschluss. Geprüft werden nur die Fächer Deutsch und Mathematik sowie eine Fremdsprache. Eine Ausnahme ist das Bundesland Bayern: Hier kommt ein viertes Wahlpflichtfach hinzu.

Gut zu wissen: Wer die Abschlussprüfung nicht besteht, jedoch in der 10. Klasse das festgesetzte Klassenziel erreicht, kann auch ohne die Prüfung abgehen. Es handelt sich dann um einen erweiterten Hauptschulabschluss.

Fakt 9 – Die Kindheit ist oft insgesamt schöner

All diese Fakten zur Realschule fließen zum vermutlich wichtigsten Argument zusammen: Dein Kind hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine glücklichere Kindheit. Es muss weniger wegen verschiedener Schwächen leiden und wird gleichzeitig in seinen Stärken gefördert. So kann ein selbstbewusster, junger Erwachsener seinen Weg finden.

So viele Länder, so viele Schularten: Weil Bildung in der Hoheit der Bundesländer liegt, gibt es im deutschen Schulsystem eine beachtliche Vielfalt an Schularten, sodass bei einem Umzug oftmals nicht nur der Stoff, sondern auch die Schulform völlig neu ist. Was sich hinter den einzelnen Schultypen verbirgt:

Grundschule Die Grundschule ist Bestandteil aller Schullaufbahnen: Jedes Kind besucht vier, in manchen Bundesländern auch sechs Jahre lang die Primarstufe. Hier werden die Grundlagen für den weiteren Bildungsweg gelegt: Der Klassenlehrer vermittelt fundamentale mathematische und sprachliche Kenntnisse wie etwa die Grundrechenarten, Lesen und Schreiben.

Ein weiteres Hauptfach ist Sachunterricht, eine Mischung aus sozial-, kultur- und naturwissenschaftlichen Inhalten. Auch Musik, Kunst, Werken, Sport und Religion gehören zum Alltag an deutschen Grundschulen.

Hauptschule/Mittelschule Die Hauptschulen scheinen einer aussterbenden Gattung anzugehören - ihre Anzahl nimmt ebenso ab wie die Zahl ihrer Schüler. Nur noch in wenigen Bundesländern ist sie eine eigenständige Schulform, in anderen ist sie Teil der Gesamtschule oder mit der Realschule zu neuen Schulformen wie der Regional- oder Sekundarschule zusammengeführt worden. Hintergrund ist unter anderem, wie auch bei der Reform der bayerischen Hauptschulen hin zur Mittelschule, dass die Hauptschule vielfach als "Restschule" mit schlechteren Bildungs- und Berufschancen für die Schüler wahrgenommen wird. Zu den leistungsschwachen Hauptschulen gehören laut Bildungsforschern jedoch nur 16 Prozent bundesweit, allerdings findet nur knapp die Hälfte der Absolventen auf Anhieb einen Ausbildungsplatz.

Die Schüler erwerben in einem stark praxisorientierten Unterricht von der fünften Klasse an das nötige Wissen, um in der neunten Klasse mit dem Hauptschulabschluss die Berufsschulreife zu erwerben. Über den regulären Hauptschulabschluss hinaus wird in einigen Bundesländern außerdem der "Quali", der Qualifizierende Hauptschulabschluss, angeboten. Die Schüler, die eine zusätzliche, freiwillige Prüfung bestehen, können so ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz steigern. Schüler mit ausreichend guten Noten können an vielen Hauptschulen auch die zehnte Klasse absolvieren und so mit der Mittleren Reife abschließen.

Realschule, Gesamtschule und Gymnasium

Realschule Die Realschule ist eine der weiterführenden Schulen im gegliederten deutschen Schulsystem. Von der fünften bis zur siebten Klasse können Kinder mit ausreichend guten Noten von der Grund- oder Hauptschule dorthin wechseln. Ursprünglich gegründet als praxisnäherer Gegenentwurf zum Gymnasium, dient sie heute laut Kultusministerkonferenz dazu, "Schülerinnen und Schülern eine erweiterte allgemeine Bildung" zu vermitteln und einen mittleren Schulabschluss zu vergeben.

Im Laufe der vier bis sechs Jahre können die Jugendlichen technisch-naturwissenschaftliche, sprachliche, sozialkundliche oder wirtschaftliche Schwerpunkte setzen. Wer nach der zehnten Klasse die Mittlere Reife erwirbt, kann beispielsweise Berufsfachschulen, Fachoberschulen oder auch das Gymnasium besuchen. In mehreren Bundesländern ist die Realschule in Gesamt-, Sekundar-, Regional-, Stadtteil-, Mittel- oder Regelschulen integriert beziehungsweise mit der Hauptschule zusammengeführt worden.

Gesamtschule Die Gesamtschule bedeutet die Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem: Sie vereint Haupt- und Realschule und oft auch die gymnasiale Oberstufe - und damit auch Schüler mit verschiedenen Begabungen unter einem Dach, die dort gemeinsam lernen und sich auf die verschiedenen Schulabschlüsse vorbereiten.

Die Gesamtschule gibt es in mehreren Bundesländern, meist als Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem. Die Begriffe werden zwar nicht trennscharf verwendet, aber als Einheitsschule oder Gemeinschaftsschule gilt die Gesamtschule, wenn es außer ihr keine Haupt-, Realschulen oder Gymnasien gibt und alle Schüler eines Jahrgangs teils von der ersten Klasse an bis zum Abschluss zusammen bleiben - es also auch innerhalb der Schule keine Binnendifferenzierung etwa durch unterschiedliche Kursniveaus gibt.

Diese Schulformen sind umstritten: Während die Befürworter sich von der Gesamtschule mehr Bildungsgerechtigkeit und bessere Förderung der schwachen Schüler versprechen, kritisieren sie die Gegner als "Gleichmacherei" und befürchten Nachteile für leistungsstarke Schüler.

Gymnasium Das Gymnasium ist eine weiterführende Schule, die je nach Bundesland nach acht oder neun Jahren mit dem Abitur abschließt. Wer das Gymnasium erfolgreich hinter sich gebracht hat, besitzt die Allgemeine Hochschulreife und kann an allen Hochschulen, einschließlich der Universitäten, alle Fächer studieren.

Die Gymnasien in Deutschland haben unterschiedliche Schwerpunkte: Die Schüler besuchen entweder den mathematisch-naturwissenschaftlichen (mit mehr Unterricht in Mathe, Physik, Chemie und Bio), den neusprachlichen (mit modernen Fremdsprachen wie Französisch, Italienisch oder Spanisch) oder den humanistischen Zweig (mit Latein und Altgriechisch als Fremdsprachen). Neben diesen Hauptfachrichtungen gibt es auch musische, wirtschaftliche oder Sportgymnasien.

Berufsfachschule, Fachoberschule und Förderschule

Berufsschule/Berufsfachschulen In Deutschland werden Berufsanfänger meist dual ausgebildet: Neben der Lehre im Betrieb besuchen sie, entweder an ein bis zwei Wochentagen oder im Blockunterricht, eine Berufsschule, um auch theoretisches Wissen zu erwerben und ihre Allgemeinbildung zu vertiefen. Nach zwei bis drei Jahren endet die Ausbildung mit einer Abschlussprüfung; danach ist der Lehrling beispielsweise Facharbeiter oder Geselle.

Bestimmte Berufe wie etwa Krankenpfleger oder Ergotherapeut erlernt man an Berufsfachschulen oder Fachakademien in einer vorwiegend schulischen Ausbildung, die aber meist mit Praxisphasen kombiniert ist.

Fachoberschule (FOS)/Berufsoberschule (BOS) An den Fachoberschulen (FOS) können Jugendliche mit einem mittleren Schulabschluss das Fachabi machen, mit dem sie auch an Fachhochschulen oder bestimmte Fächer an Universitäten studieren können.

Sie spezialisieren sich dabei auf bestimmte Fachrichtungen wie Technik, Wirtschaft oder Verwaltung und können sich so auch auf ein Studium im entsprechenden Bereich vorbereiten. Wer nach zwei Jahren FOS besonders gute Noten hat, kann in einigen Bundesländern auch noch die Allgemeine Hochschulreife, das Abitur, machen, mit dem man an allen Hochschulen alle Fächer studieren kann. Die Berufsoberschule (BOS) steht allen mit abgeschlossener Berufsausbildung offen: Berufstätige können dort die Mittlere Reife, das Fachabitur und das Abitur nachholen.

Förderschule/Sonderschule An die Förderschule - oder ausführlich: Schule mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt - gehen Kinder und Jugendliche mit verschiedenen Beeinträchtigungen, derentwegen sie besonderen Förderbedarf haben. Die einzelnen Schultypen setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte und richten sich mit ihrem jeweiligen sonderpädagogischen (deswegen auch die inzwischen nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung Sonderschule) Angebot an Schüler mit bestimmten Einschränkungen.

So gibt es beispielsweise Förderschulen für gehörlose Kinder und Jugendliche, für körperlich oder geistig behinderte oder für solche mit Lernschwierigkeiten. Die Integration und Inklusion behinderter Schüler in Regelschulen ist seit langem umstritten: Während die einen vor Diskriminierung und Benachteiligung durch die bewusste Trennung warnen und die generelle Öffnung der Regelschulen fordern, befürchten andere, dass Behinderte dort nicht genug Unterstützung erfahren und das Unterrichtsniveau sinken könnte.