Kind schlecht in der Schule was tun

Schulprobleme kennen fast alle Familien – denn früher oder später wirken sich schulische Schwierigkeiten auch auf den Alltag aus. Da ist es gut, wenn Fragen rechtzeitig aufgegriffen und Lösungsmöglichkeiten ausprobiert werden. Anhand der folgenden Beispiele erläutere ich Ihnen die häufigsten Schulprobleme und zeige mögliche Hilfen auf.

1. Schlechte Noten/Schlechtes Zeugnis

Beispiel: Elias versteht die Welt nicht mehr. Seit seinem Wechsel in die fünfte Klasse sind seine Noten dramatisch abgerutscht. Inzwischen traut er sich kaum noch gute Leistungen zu und hat wachsende Angst vor dem Versetzungszeugnis.

Mein Tipp: Gehen Sie auf Ursachensuche. Schlechte Noten können viele Gründe haben. Wenn die Ursache erkannt ist, kann auch daran gearbeitet werden. Elias braucht dringend Erfolgserlebnisse.

  • Lernlücken können mit Nachhilfe aufgearbeitet werden.
  • Seh- und Hörprobleme können medizinisch korrigiert werden.
  • Bei Überforderung hilft eine Klassenwiederholung oder ein Schulwechsel.

2. Mobbing/Ausgrenzung

Beispiel: Marie fühlt sich ausgegrenzt. In der Pause ist sie meistens alleine, oft tuscheln die anderen Mädchen über sie. In letzter Zeit verschwinden sogar Gegenstände aus ihrem Ranzen.

Mein Tipp: Marie braucht Hilfe von ihren Eltern und Lehrern. In der Schule muss konsequent gegen Mobbing vorgegangen werden. Dazu müssen Sie in so einem Fall die Lehrer informieren. Das Thema gehört in den Unterricht. Sie als Eltern können parallel dazu das Selbstbewusstsein Ihres Kindes stärken, indem Sie etwa für sportliche Erfolge sorgen oder Ihrem Kind immer wieder ganz deutlich sagen, dass es keine Schuld trifft an der Situation.

3. Konzentration/ADHS

Beispiel: Amelie vergisst oft ihre Hausaufgaben und ist auch sonst sehr verträumt, sodass sie vieles im Unterricht nicht mitbekommt. Dass ihr Schulstoff fehlt, beginnt sich an den Noten bemerkbar zu machen.

Mein Tipp: Nicht immer ist mangelnde Konzentrationsfähigkeit die Ursache für Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit. Auch fehlende Motivation kann eine Ursache sein. Langweilt Amelie sich vielleicht im Unterricht?

  • Mit einem Konzentrationstraining kann ihre Aufmerksamkeit verbessert werden, beispielsweise mit regelmäßigen Übungen zur Förderung der Wahrnehmungsbereiche (Hör-/Sehtraining). Achten Sie darauf, dass die Trainingseinheiten langsam länger werden.
  • Mit individuellen Anreizen steigt die Motivation. Ein Belohnungsplan kann dabei sehr gut helfen. Vergisst Ihr Kind die Hausaufgaben nicht, bekommt es ein Smilie, für fünf Smilies gibt’s eine Anerkennung.

4. Prüfungsangst/Blackout in der Prüfung

Beispiel: Luca lernt sorgfältig für Klassenarbeiten. Trotzdem überfällt ihn regelmäßig Panik, wenn die Aufgabenblätter ausgeteilt werden. Er kann sich dann nicht mehr konzentrieren.

Mein Tipp: Bei Prüfungsangst handelt es sich fast immer um eine Versagensangst. Sprechen Sie mit Ihrem Kind durch, was schlimmstenfalls passieren könnte. Sichern Sie ihm für diesen Fall Ihre Unterstützung zu, sodass es die Angst vor dem Versagen verliert. Legen Sie anschließend Wert auf eine gründliche Vorbereitung, und denken Sie über Entspannungstechniken wie autogenes Training nach. Haben Sie Geduld: Prüfungsangst vergeht nur langsam.

5. Teilleistungsstörungen wie Legasthenie/Dyskalkulie

Beispiel: Gwendolins Rechtschreibung wird einfach nicht besser. Sie schreibt selbst bekannte, einfache Wörter immer wieder anders. Auch Benjamin ist verzweifelt, denn ihm fällt das Rechnen so schwer. Alles Lernen hilft nichts. Zusammen mit Eltern und Lehrern haben die Kinder schon alles Mögliche ausprobiert. Vergebens!

Mein Tipp: Vermuten Sie, dass bei Ihrem Kind eine Teilleistungsstörung vorliegt? In Erziehungsberatungsstellen, bei Lerntherapeuten oder Psychologen können entsprechende Tests auf Legasthenie oder Dyskalkulie durchgeführt werden. Denn Kinder wie Gwendolin und Benjamin benötigen qualifizierte Hilfe von Lerntherapeuten. In bestimmten Fällen werden die Kosten dafür von den örtlichen Jugendämtern übernommen.

6. Stress mit den Lehrern

Beispiel: Carl fühlt sich immer wieder ungerecht von seiner Klassenlehrerin behandelt. Er hat das Gefühl, nichts richtig machen zu können. Seine Motivation ist auf dem Tiefpunkt.

Mein Tipp: Manchmal hilft eine gemeinsame Aussprache zwischen Eltern, Kind und Lehrer. Denn viele Probleme können im sachlichen Gespräch angesprochen und gelöst werden. Nutzen Sie dazu unsere ausführliche Checkliste für Lehrer-Gespräche (siehe Download-Hinweis).

7. Verhaltensauffälligkeiten/ Rolle als Klassenclown

Beispiel: Luis stört immer wieder den Unterricht. Er bleibt nie an seinem Platz sitzen und redet ständig dazwischen. Der Lehrer ermahnt ihn permanent, und auch Luis fühlt sich in der Klasse nicht mehr wohl.

Mein Tipp: Luis’ Verhalten kann viele Gründe haben. Vielleicht ist er überfordert, gelangweilt oder er hat generell Probleme mit dem Stillsitzen. Führt ein Gespräch mit Luis zu keinem Ergebnis, können sich seine Eltern an den zuständigen Schulpsychologen oder auch an eine Erziehungsberatungsstelle wenden.

8. Außenseiter sein/ Einsamkeit

Beispiel: Leo findet in seiner Klasse keine Freunde. Er wird nicht zu Geburtstagen eingeladen und trifft sich nachmittags nie mit Klassenkameraden.

Mein Tipp: Kein Kind ist gerne Außenseiter, das kränkt und schwächt das Selbstbewusstsein. Um zumindest einen Freund in der Klasse zu finden, gibt es viele Möglichkeiten: Leo kann in den gleichen Sportverein gehen wie einige seiner Klassenkameraden, einzelne Kinder zu sich nach Hause einladen oder auch eine Party veranstalten.

9. Zu schüchtern zum Melden oder Reden vor der Klasse

Beispiel: Sarah traut sich nicht, im Unterricht aktiv mitzuarbeiten. Ihre Noten wären besser, wenn sie sich regelmäßig melden würde.

Mein Tipp: Schüchternheit ist schwer abzulegen. In kleinen Mini-Schritten kann Sarah trotzdem mutiger werden, zum Beispiel die Hausaufgaben gut vorbereiten und sich dann zum Vortragen melden. So kann Sarah sicher sein, dass sie keine falsche Antwort gibt. Das baut auf und macht Mut für mehr.

10. Unterforderung/ Hochbegabung

Beispiel: Luisa konnte schon früh lesen, ist neugierig und hat eine schnelle Auffassungsgabe. Trotzdem werden ihre Noten immer schlechter.

Mein Tipp: Hochbegabte Kinder schalten im Unterricht irgendwann vor lauter Langeweile einfach ab. Dann bekommen sie die Inhalte nicht mehr mit und beginnen, schlechte Noten zu schreiben. Ein Intelligenztest gibt Aufschluss darüber, ob bei Luisa eine Hochbegabung vorliegt. Mit individuellen Aufgaben oder einem Klassenwechsel kann solchen Kindern der Spaß am Lernen zurückgegeben werden.

Da sitzt er nun und grübelt und grübelt und grübelt. Er kommt einfach nicht auf das Ergebnis dieser vermaledeiten Rechenaufgabe. Da sitzt sie nun und versucht, die Linien und Bögen, die sie hier sieht, diese Buchstaben, zu einem Wort zusammen zu ziehen, zu Sätzen, die einen Sinn ergeben. Schlechte Phasen in der Schule kennt wohl jeder – halten die Probleme jedoch länger an, besteht Handlungsbedarf. Rechenschwäche (Dyskalkulie) und Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie) gehören zum Bereich der Lernschwächen.

Dabei ist Lernschwäche gar keine Krankheit im Sinn der definierten und klassifizierten Krankheiten. Denn Lernschwäche ist viel häufiger ein Symptom einer Krankheit: von ADHS zum Beispiel, oder von Autismus, oder von Depression im Kindesalter. Das erklärt Dr. med. Uwe-Jens Gerhard, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth.

Kein Wunder: Wer unter einer Depression leidet, deshalb lustlos und unkonzentriert ist, der ist auch nicht mehr leistungsfähig, dem fällt es schwer, sich aufs Rechnen, Lesen und Schreiben zu konzentrieren und auch noch zu verstehen, wie das alles funktioniert. Oder wer impulsiv ist und deshalb im normalen Klassenverbund auffällt, weil er eben unter ADHS leidet, auch der wird sich schwer tun, sich auf den Lernstoff zu fokussieren.

Lernen ist wichtig - aber nicht nur

Natürlich sollen schwache Schüler lernen. Üben, üben, üben - ist auch hier wichtig. Aber es ist eben nicht alles. Im Gegenteil. Gerade bei einem depressiven Schüler könnte der Druck durch die ständige Mahnung ans Lernen die Depression zu verstärken. Deshalb sei es wichtig, die Krankheiten, die mit einer Lernschwäche einhergehen, zu behandeln, betont Dr. Uwe-Jens Gerhard. Es gilt, durch Psychotherapie und Erziehungsarbeit den Knackpunkt der Krankheit, der Depression etwa, zu bearbeiten. Es gilt, gegebenenfalls auch medikamentös einzugreifen, um die Psychotherapie zu unterstützen.

In manchen Fällen ist eine Lernschwäche auch Zeichen dafür, dass das Kind die falsche Schule besucht, so Dr. Gerhard. Wenn sich ein Kind überfordert fühlt, weil es beispielsweise auf einem Gymnasium einfach nicht richtig aufgehoben ist, kann es leicht zu einer Lernschwäche kommen. Umgekehrt gilt das auch für die Unterforderung von Hochbegabten.

Das sollten Eltern tun

Wenn Eltern den Verdacht haben, ihr Kind könnte eine Lernschwäche haben, ist der erste Ansprechpartner immer der Lehrer, so Dr. Gerhard. Ein Deutschlehrer, sagt er, sei ja beispielsweise geschult, eine Legasthenie zu erkennen. Hat auch der Lehrer diesen Verdacht, sollte der Schulpsychologe zu Rate gezogen werden. Schulpsychologen hätten viel Einblick und sind spezialisiert auf derartige Entwicklungsstörungen. Der nächste Schritt wäre der Gang zum Kinderpsychiater oder –therapeut.

Maßnahmen, die neben einer Psychotherapie und einer gegebenenfalls medikamentösen Therapie, dem Kind sofort helfen, wären, das Kind aus dem Leistungsdruck zu nehmen. Wenn Legastheniker in Deutsch nicht benotet werden, nehme das eine Last vom Kind. Denn Druck, auch Notendruck, bewirke das Gegenteil von dem, was man erreichen will.

Egal in welchem Bereich ein Kind eine Lernschwäche zeigt, verdeutlicht Gerhard noch einmal, immer muss die Grundstörung diagnostiziert und behandelt werden. Vielfach würden sich dann auch die Schwächen in Deutsch oder Mathe geben.

Kontakt: Bezirkskrankenhaus Bayreuth Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie Nordring 2 95445 Bayreuth

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